Von der Kasuistik zur wissenschaftlichen Forschung

Traditionell wurde der Nachweis über die Wirksamkeit der Homöopathie in Form von Kasuistiken und kontrollierten klinischen Studien erbracht. Das Überzeugendste an der Homöopathie bleiben bisher die Kasuistiken, die bis zum zweiten Weltkrieg auch in der klassischen medizinischen Forschung vorherrschend waren.

Erst in den 30er Jahren wurden kontrollierte Studien in der medizinwissenschaftlichen Forschung eingeführt und die Einzelfallbeobachtung zurückgedrängt. Zeitgleich begann auch die homöopathische Forschung sich der Methodik von kontrollierten Studien zu bedienen.

Kontrollierte klinische Studien

Immer wieder wird der Homöopathie vorgeworfen, sich der akademisch-wissenschaftlichen Diskussion zu entziehen, indem keine kontrollierten Studien zur Effektivität der Methode und zur Wirksamkeit der Arzneien durchgeführt würden. Diese Behauptung gründet auf Unwissenheit. Kleijnen et al. (3). erstellten 1991 eine Metaanalyse von 107 kontrollierten klinischen Studien zum Thema Homöopathie – mit dem Ziel, festzustellen, ob eine Effektivität der homöopathischen Behandlung nachweisbar sei. Das Studiendesign war eine auf klar definierten Kriterien basierende Metaanalyse. Beurteilt wurden 107 kontrollierte Studien nach ihrer methodischen Qualität. Die Studien wurden nach vordefinierten Kriterien für saubere Methodik nach einem Punktesystem gereiht und nach ihrem Ergebnis im Verhältnis zur methodischen Qualität der Studie beurteilt. Die Autoren kamen zu dem Schluss, dass es von der Methodik her möglich ist, die Wirksamkeit von Homöopathie in Form von kontrollierten Studien so zu belegen, dass die Ergebnisse für – der Homöopathie gegenüber – skeptische Mediziner ebenso akzeptabel seien wie für enthusiastische Homöopathen.

Probleme der Forschung

Das Problem der homöopathischen Forschung liegt der Meinung dieser Autoren nach darin, dass es bislang kein geeignetes Erklärungsmodell für die Wirksamkeit homöopathischer Arzneien gibt, dass die Herstellung von Homöopathika je nach Hersteller differiert und dass keine Richtlinien für die Potenz der zu verwendenden Arzneien definiert sind.
Da ein Großteil der homöopathischen Studien – genau wie in der klassischen Medizin – methodisch mangelhaft sind, wird die Forderung nach weiteren Studien zur Evaluation homöopathischer Wirksamkeit mit klar durchdachten Studiendesigns aufgestellt.

Randomisierte, Plazebokontrollierte Doppelblindstudien

Zur Frage, ob Studien belegen können, ob die Homöopathie einem Plazeboeffekt überlegen sei, wurde im Lancet eine weitere Metaanalyse, die 186 Studien zum Thema Homöopathie berücksichtigt, publiziert. Die Einschlusskriterien beschränkten sich auf doppelblinde und/oder randomisierte Plazebo-kontrollierte Studien. 119 Studien entsprachen den Einschlusskriterien. Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass die Hypothese, der klinische Effekt der Homöopathie sei ein reiner Plazeboeffekt, nicht aufrecht zu erhalten sei. Bei genauer Durchsicht der homöopathischen Studien ergab sich, dass zwei Drittel der Studien methodisch schwach waren, ein Drittel brauchbar und ein Zehntel methodisch ausgezeichnet. Als Ursache für die mittelmäßigen methodischen Studiendesigns erhoben die Forscher einen Mangel an guter Infrastruktur der Forschungsumfelder: Die meisten Studien waren »low-budget« Studien, die nicht im Rahmen von Universitätskliniken durchgeführt wurden. Aber: Selbst als die Analyse der Studien nur mit den qualitativ besten homöopathischen Studien wiederholt wurde, war das Ergebnis ebenfalls, dass die Homöopathie dem Plazeboeffekt überlegen ist.

An dieser Stelle seien einige Studien genannt, die in zwei – voneinander unabhängigen – Metaanalysen von ihrer Methodik her die höchsten Punkteanzahlen erhielten (6). Alle Studien waren randomisierte Plazebo-kontrollierte Doppelblindstudien: Reilly et al. (7) Die Patienten litten an einer mindestens zwei Jahre bestehenden, allergisch bedingten saisonalen Rhinitis (pos. RAST-Test). Das Ergebnis zeigte, dass nur die homöopathisch behandelte Patientengruppe eine signifikante Minderung der Krankheitssymptome aufwies, die Plazebogruppe hingegen nicht: Die Verumgruppe wies eine Halbierung des Gebrauchs an Antihistaminika auf im Gegensatz zur Plazebogruppe. Eine Migräne-Studie von Brigo et al. (8) ergab eine Verminderung der Migränesymptomatik in der viermonatigen Beobachtung von einer durchschnittlichen Anfallshäufigkeit von 10 auf 1,8 Anfälle (Plazebogruppe: 9,9 auf 7,9 Anfälle). Ähnliche Resultate ergaben sich für die Häufigkeit und Dauer der Migräneattacken. Wiesenauer et al. (9) untersuchten die Wirksamkeit des Homöopathikums Galphimia glauca C2 in der Behandlung der Pollinosis. Die Evaluation fand nach einer fünfwöchigen Behandlungsdauer der 201 Patienten statt und zeigte bei der Augen- und bei der Nasensymptomatik ein dem Plazebo signifikant überlegenes Ergebnis. Unter der homöopathischen Therapie wurden zwischen 67 und 88% der Patienten beschwerdefrei oder hatten eine deutliche Linderung. In der Plazebogruppe konnten nur 44 bis 67% der Patienten eine ähnliche Symptomenverbesserung erzielen.

Homöopathie contra Hormone

In der Frauenheilkunde wurden bislang wenige methodisch untadelige homöopathische Studien veröffentlicht. Eine Ausnahme stellt die Universitäts-Frauenklinik Heidelberg dar. Dort wurde eine Reihe von Studien bei weiblichen Fertilitätsstörungen durchgeführt. Verglichen wurden hormonelle Therapien mit alternativmedizinischen Behandlungsmethoden. Eine der Studien verglich eine klassisch homöopathische Therapie mit hormoneller Therapie. Behandelt wurden je 21 Patientinnen in jeder Gruppe (10). Bedingung für die Aufnahme in die Studie war ein seit mehr als zwei Jahren bestehender Kinderwunsch, mindestens ein funktionstüchtiger Eileiter, ein maximal leicht eingeschränktes Spermiogramm und ein positiver Sims-Huhner-Postkoitaltest. Die homöopathisch sowie die hormonell behandelten Patientinnen wurden bezüglich des Patientinnenalters, der Abortrate, der Dauer des Kinderwunsches, der Art der Sterilität, des Uterus-, Tuben-, andrologischen Faktors, des Body-Mass-Index und der Art der Zyklusstörungen gematcht.
In der Homöopathie-Gruppe wurden – bei einer durchschnittlichen Behandlungsdauer von 4,8 Monaten – 6 Patientinnen (28,5%) schwanger. Unter den Patientinnen mit Hormonstörungen lag der Erfolg bei 50%. Die Baby-take-home-rate lag in der klassisch homöopathisch behandelten Gruppe bei 28,5% – d.h. alle Frauen, die schwanger wurden, konnten ein gesundes Kind gebären. Die einzigen Nebenwirkungen der homöopathischen Behandlung waren vorübergehende Hautunreinheiten bei zwei Patientinnen. Anhand subjektiver Analogskalen konnten bei 19% der Patientinnen folgende allgemeine Besserungen nachgewiesen werden: Steigerung der Libido, Verminderung chronischer Kopfschmerzen und Obstipation, deutliche Besserung von Heuschnupfen.
Bei der Hormongruppe wurden ebenfalls sechs Patientinnen schwanger. Allerdings gingen aus den sechs Schwangerschaften nur zwei gesunde Kinder hervor (vier endeten als Frühaborte). Dies ergibt eine Baby-take-home-rate von 9,5%. Die durchschnittliche Therapiedauer betrug in dieser Gruppe 16,5 Monate und die Befindlichkeitsänderungen der Patientinnen während der Therapie reichten von Zysten am Ovar, die zum Therapieabbruch führten, Hitzewallungen, Libidoverlust, Atemnot bis zu vaginalem Juckreiz. Bei 29% der Patientinnen musste eine Verschlechterung des Allgemeinbefindens festgestellt werden.
Bei einem Kostenvergleich der beiden Gruppen zeigte sich, dass die Arztkosten in beiden Gruppen gleich waren (die Dauer der homöopathischen Behandlung ist länger, daher teurer; dafür: seltenere Konsultationen als in der Hormongruppe). Eine Differenz um den Faktor 10 trat bei den Medikamentenkosten auf, da Homöopathika im Vergleich sehr billig sind. Die Kosten für die in der Hormongruppe häufigen Ultraschall- und Hormonuntersuchungen wurden hierbei nicht berücksichtigt, würden diesen Unterschied aber noch weiter vergrößern. Die Autoren kamen zum Ergebnis, dass die homöopathische Therapie der hormonellen Therapie in Bezug auf Eintritt einer Schwangerschaft gleichwertig ist, in Bezug auf die Baby-take-home-rate sowie die Gesamtkosten signifikant überlegen.